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warum ich emergiere

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ich habe das wochenende auf dem Emergent Forum 2008 verbracht und dort eine ungewöhnlich gute zeit verbracht. ein wochenende voller guter, tiefer gespräche, mit leuten, die meine gedankengänge teilen oder sie nachvollziehen können.

im nachgang treibt mich seit sonntag abend die frage um, was es genau ist, was mich am emergenten gedankengut, dieser art des denkens und des gemeinde lebens so fasziniert. es ist nicht der spass an der dekonstruktion (den habe ich), es ist nicht die faszination an postmoderner philosphie (die ist bei mir vorhanden), nicht der wille, den glauben zu politisieren (ich bin extrem politisch extrem). und ganz sicher ist es nicht, wie böswillige vermuten könnten, der wille, mir aus christlichen versatzstücken ein eigenes system zu basteln

die faszination, die diese bewegung auf mich hat, hat zunächst und zuerst theologische gründe. ich erkenne dahinter ein ernst nehmen des ganzheitlichen versöhnungswillen gottes. wenn der sündenfall nicht nur den zerbruch der beziehung des menschen zu gott, sondern auch einen zerbruch und eine verschiebung aller beziehungen von beziehungen und dingen untereinander meint, dann meint versöhnung nicht nur die heilung der persönlichen beziehung der einzelnen menschen zu gott, sondern die heilung des beziehungsgefüges innerhalb der gesamten schöpfung. das schließt die beziehungen der menschen untereinander, die beziehung der menschen zu ihrer umwelt und auch das verhältnis von natürlichen phänomenen untereinander ein. all diese zerbrochenen und verschobenen relationen waren teil der versöhnung in der erhöhung am kreuz.

in den beziehungen der menschen untereinander, also in der gesellschaft, bedeutet die störung für mich vor allem ein ungleichgewicht in den handlungsmöglichkeiten, die ein individuum hat, also macht und ohnmacht. ich glaube, dass eine versöhnung, die über die persönliche errettung hinausgreift, eine gesellschaft zum ziel hat, in der das ungleichgewicht der macht kontinuierlich kleiner wird: eine gesellschaft ohne sexismus, rassismus, mit gemeinsamer entscheidungsfindung, mit einer möglichst gleichmässigen verteilung wirtschaftlicher macht (sprich geld), ohne bevormundung und manipulation – in der sprache des theologen: geprägt von nächstenliebe und demut.

all das gehört zum versöhnungswillen gottes und kann meiner meinung nach unter keinen umständen nach einer der beiden seiten hin aufgelöst werden. und genau diesen bogen versucht die emergente konversation zu spannen: die persönliche versöhnung mit gott, die schon traditionell einen hohen stellenwert hat und diesen auch behalten soll, niemals ohne das streben nach einer versöhnten gesellschaft, ja einer im ganzen versöhnten schöpfung zu denken. das führt zu einem umdenken in bezug auf strukturen in christlichen gemeinden / gemeinschaften, die auch ein bild der gesellschaft sind und gerade weil sie gesellschaft und gemeinschaft der versöhnten sind, zu allererst die ganzheitliche versöhnung spiegeln sollten. aber auch ein umdenken oder erstmaliges denken über das handeln der gemeinschaften und einzelner in gesamtgesellschaftliche zusammenhänge hinein.

das fasziniert mich und ich glaube, dass das alles in erfüllung des göttlichen mandats zur versöhnung geschieht. dass nebenbei die beschäftigung mit postmodernen gedanken, die experimentelle umformung der ausdrucksformen des glaubens und eine hochdiskursive athmossphäre einen großen stellenwert dort haben, lässt meine faszination in die entscheidung münden, daran mitwirken zu wollen

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Written by Henni

1. Dezember 2008 at 21:58

Veröffentlicht in theologie

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