freedom to god's people

gute nacht geschichte – teil 2

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Und doch, eines Tages, geschah etwas seltsames. Der Mann ging wie jeden Morgen noch etwas schlaftrunken von seinem Haus an den Berghang, zu seiner Quelle. Es war ein Sommermorgen, schon recht hell und ein leichter Morgennebel lag über dem Land. Er ging den schmalen Weg zwischen seinen Feldern entlang, als er, kurz vor dem ersten Anstieg, plötzlich eine Gestalt an der Einfassung seiner Quelle sah. Erschrocken beschleunigte er seinen Schritt. Wer machte sich da an seiner Quelle zu schaffen und was beabsichtigte er? Im Rennen rief er die Gestalt an: „Hey da! Was machst du an meiner Quelle?“ Die Gestalt wandte sich um, sah unvermittelt in die Richtung des Mannes, sagte aber kein Wort. Er hatte ihn fast erreicht und konnte sein Gesicht erkennen. Es war das Gesicht eines jungen Mannes… nur die Augen, die sahen aus, als hätten sie weit längere Zeiten erlebt als dieser Jüngling alt war. Nun hatte er ihn fast erreicht, als er plötzlich an einen Stein stieß. Er musste sich abstützen, sonst wäre er gefallen und löste so kurz seinen Blick von der Gestalt. Als er wieder aufsah, war sie nirgends mehr zu sehen…

Er ging zur Quelle hin, um zu sehen, was die Gestalt da wohl getan hatte. Es fiel ihm auch gleich ins Auge: Am eigentlichen Quellloch waren einige Steine herausgebrochen worden, so dass der Strahl nun weit mehr als armdick aus dem Felsen sprudelte. Das Becken war randvoll und auch der kleine Kanal war am Rande seiner Kapazität, das viele Wasser weiter zu den Feldern und Hainen zu transportieren. Der Mann wunderte sich, denn soviel Kraft hätte er seiner kleinen Quelle gar nicht zugetraut. Aber wie auch immer dies geschehen war, er musste handeln. Denn schon konnte der kleine Kanal das Wasser kaum noch aufnehmen und auch das Becken war kurz davor, überzulaufen. Er wollte vermeiden, dass seine Felder und Haine unter Wasser gesetzt wurden, denn das hätte seinen Pflanzen wohl nicht sehr gut getan.

Also rief er seine Familie zusammen und drückte jeden eine Schaufel in die Hand, den Kanal tiefer und breiter zu graben. So gingen sie ans Werk und am Ende eines langen Arbeitstages war der Kanal vergrößert und bereit, das viele Wasser zu fassen. Der Mann begann, sich über die seltsame Begebenheit zu freuen, denn ordentlich zugeleitet wäre das zusätzliche Wasser bestimmt ein Segen für seine bescheidenen Pflanzungen in dieser trockenen Gegend.

Erschöpft von der vielen Arbeit schlief der Mann am nächsten Morgen etwas länger, als es sonst für ihn üblich war. Er hörte bereits seine Herde im Hof blöken, als er die Augen aufmachte. Schnell stand er auf und machte sich daran, seine Herde an die Tränke zu führen, die nicht daran gewöhnt war, so lange ohne Wasser zu bleiben. Schon ein gutes Stück vor dem Berghang bekam er einen noch größeren Schreck als am Morgen zuvor. Nicht nur hörte er ein deutliches Plätschern vom Berg her, sondern er sah auch viele kleine und größere Ströme über die Felsen rinnen. In den Senken dazwischen hatten sich bereits kleine Teiche gebildet.

Wieder rief er seine Familie zusammen, diesmal um gemeinsam zu beratschlagen, was zu tun sei. Irgendwie mussten die Wassermassen daran gehindert werden, schaden an ihrem Besitz anzurichten. Andererseits war trotz allem Wasser noch immer ein Segen und der nun anscheinend unerschöpfliche Vorrat daran sollte auch nicht einfach vergeudet werden. Lange überlegten sie hin und her. In Fässer leiten konnten sie es nicht, dann so große Fässer, wenn es sie gegeben hätte, konnten sie sich niemals leisten. Vielleicht sollten sie große Zisternen in den Boden graben und darin das Wasser sammeln? Aber dann wussten sie nicht, wie sie das Wasser von dort aus weiterleiten sollten und vor allem, was sie mit dem vielen Wasser tun sollten. Einige neue Felder anlegen, das wollten sie auf jeden Fall tun. Aber schon jetzt hatten sie mit ihrem Anbau alle jede Menge Arbeit und mehr als zwei, drei neue Pflanzungen konnten sie als Familie nicht zusätzlich bestellen.

Schließlich wurde ihnen allen klar, dass es nur einen Weg gab, mit der Lage unzugehen: Sie mussten die Mauern, die am Ende der Seitenkanäle das Wasser bisher vorm versickern in der angrenzenden Wüste bewahrt hatte, öffnen und das Wasser sich selbst seinen Weg durch die Ebene suchen lassen. Es kam ihnen trotz allem wie eine sehr unanständige Verschwendung vor, auch wenn längst klar war, dass sie selbst mit dieser Menge aus der Quelle nichts anfangen konnten. Ihre Entscheidung stand fest und wurde ohne großes Abwarten umgesetzt. Jeder nahm sich eine große Hacke mit, und nachdem sie sich an die verschiedenen Ende des kleinen Kanalsystems verteilt hatten, begannen sie, die Mauern einzureißen.

Wo die Mauern eingerissen waren, sprudelte das Wasser aus dem Ende des Kanals auf den trockenen, rissigen, wie mit Narben überzogenen Boden, der sich direkt an die gut bewässerten und grünen Felder des Mannes anschloss. Die Risse füllten sich mit Wasser und je mehr die oberste Schicht nass und weich wurde und sich eine weiche Schlammschicht bildete, desto glatter und sanfter sah die eben noch harsche und feindliche Landschaft aus. Direkt am Ausgang des Wassers bildeten sich schon kleine Einschnitte, durch die das Wasser lief. Bis zum nächsten Morgen würde sich das Wasser wohl einige feste Wege gesucht haben.

Written by Henni

7. August 2008 at 20:51

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gute nacht geschichte – teil 1

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aufgrund der vielen nachfragen, meine geschichte vom nightpraise noch mal in geschriebener form zu bekommen, poste ich sie hier die nächsten tage mal als fortsetzungsgeschichte. die leute, denen ich sie per mail versprochen habe, bekommen sie natürlich trotzdem zugeschickt.

In einem fernen Land lebte einst ein Mann. Wann das war ist nicht von Bedeutung, denn das Leben dieses Mannes unterschied nur sehr wenig vom Leben der Menschen vor ihm und das Leben seiner Enkel würde dem seinen sehr ähnlich sein. Es war ein armes Leben, oder, wie die Menschen dieses Landes unter sich sagten: ein genügsames. Man lebte von dem, was man mit eigener Hände Arbeit seinem Acker und seiner Tierherde abringen konnte. Das wenige, was man darüber hinaus brauchte, musste man auf einem kleinen, weit entfernten Markt dazu kaufen.

Es war trocken, dieses Land und nur wer ein Wasserloch sein eigen nennen konnte, hatte die Gelegenheit, sich überhaupt einen eigenen Grundstock zu schaffen. Wer dies nicht konnte, musste sich mit allerlei Diensten Geld verdienen, um auf dem kleinen Markt das wichtigste zu kaufen. Und es waren viele, die an Markttagen um die kleinen Tische und Buden strichen.

Der Mann, von dem unsere Geschichte handelt, war einer dieser glücklichen, die über eine Quelle verfügten. Sein Land lag nahe am Fuß eines mächtigen Gebirges. An dessen Hang, dort wo es anfing, felsig zu werden, entsprang ein kleines Rinnsal. Sein Großvater hatte dort eine kleine steinerne Einfassung gebaut, in der sich das Wasser sammeln konnte. Dort führte der Mann sein Ziegen hin, um sie zu tränken und dort holten auch seine Kinder das Wasser für den Haushalt in schweren tönernen Krügen. Ein Auslass mündete in einen schmalen, gegrabenen Kanal, der zu einigen kleinen Obsthainen und Palmenwäldchen führte. So konnten diese bewässert werden.

Der Mann verwandte viel Sorgfalt darauf, die Quelle, das Becken und den Kanal sauber und in Ordnung zu halten. Jeden Tag ging er dorthin, um hineingefallene Zweige oder tote Vögel zu entfernen oder den Schlamm aus dem Kanal zu schaufeln. Das war jeden Morgen sein erster Gang. Bevor es zur seinen Feldern ging oder seinen Sohn mit der Herde auf den Weg schickte, ging er zur Quelle, sah nach dem rechten und schöpfte mit der hohlen Hand einige Schlucke des Wassers für sich selbst.

Es gab nicht viele andere Menschen in seinem Leben. Seine Familie, eine Frau und eine nicht ganz kleine Zahl von Kindern. Bis vor ein paar Jahren hatte noch seine Mutter gelebt, aber inzwischen war auch sie gestorben. Die Nachbarn lebten viel zu weit weg, um regelmäßig etwas von ihnen mitzubekommen. Die sah man nur auf dem Markt, um mit ihnen um Preise zu feilschen oder manchmal auch zu streiten. Wo sie eigentlich wohnten, wusste er meist gar nicht. Wäre einer von ihnen an seinem Haus vorbeigekommen, er hätte ihn freundlich und ausgiebig bewirtet und gehofft, dass sein Gast nicht später mit vielen Männern und Waffen wiederkommen würde.

So war es gewesen, so lange er denken konnte. Viele, viele Jahre lang. Es gab nichts in der Vorstellung des Mannes und seiner Familie, was eine Ahnung davon gab, dass es sich jemals ändern könnte.

Written by Henni

5. August 2008 at 20:35

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freakstock 2008

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nun ist es leider auch schon wieder vorbei… schade! ich muss sagen, dieses freakstock war für mich eines der besten der letzten jahre und hat alle meine erwartungen übertroffen. wir sind eine wunder-volle bewegung, im ganz wörtlichen sinne.

für mich ist es vor allem eins der anliegen der charta, das Jesus dieses jahr verwirklicht hat: Einheit in Vielfalt! bei allen unterschiedlichen prägungen, ansichten und stilen war eine verbindung zu spüren, die auf nichts menschlichem beruht, sondern im Heiligen Geist geschehen ist.

das experiment, jeden tag vier parallele hauptseminare anzubieten, ist meiner meinung nach geglückt. nicht alles war mein stil oder meine kragenweite, das ist wohl nur natürlich. aber es war einfach geil zu sehen, wie von allen sachen, die geschehen sind, die leute angerührt wurden, für die der Herr sie gedacht hatte. wir haben es geschafft, unseren gemeinsamen inhalt in alle möglichen formen zu packen und Jesus die möglichkeit zu geben, zu jedem so zu sprechen, wie er es braucht. für mich ein wichtiger schritt, Jesus die herrschaft über jeden bereich zuzusprechen und nicht nur über die formen und stile, die ich für passend oder angenehm halte.

und es war entspannt. nicht, dass ich weniger und vor allem weniger spontane termine gehabt hätte. aber durch die gegenseitige unterstützung war es weniger stress als freude daran, was für Jesus zu rocken.

Danke Jesus und Danke an alle, die sich reingehängt haben!

Written by Henni

4. August 2008 at 18:31

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leitourgia

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die osterfeiertage habe ich gemeinsam mit einigen anderen freaks bei den mönchen im wunderschönen kloster Heiligenkreuz verbracht. der schwerpunkt im gemeinsamen leben liegt, wie in anderen klöstern auch, auf den gemeinsamen stundengebeten. das sind im grunde lange psalmgebete, ergänzt durch kurze antwortgesänge, gebete und lesungen.

die ganze angelegenheit ist hoch liturgisch, das heißt, jedes wort, jedes detail ist genau vorgegeben und wiederholt sich regelmäßig. hier und in den großen gottesdienstes zu Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag hat jede bewegung, jede melodie, jede haltung, ja jede farbe und jeder lichtstrahl durch die fenster eine tiefe bedeutung. für mich spricht daraus eine große hochachtung vor formen, der materialität und damit auch vor der sinnlichen wahrnehmung der menschen. eine sache, die mir im prinzip sehr sympathisch ist.

das ganze, und da ist Heligenkreuz eine ausnahme auch unter den klöstern, spielt sich fast ausschließlich auf latein ab. nun habe ich ja mal vor langer zeit latein gelernt, aber bei weitem nicht genug, um jedem wort folgen und es zu meinem eigenen machen zu können. so war das gebet der mönche über weiten strecken ein beruhigender rahmen für mein eigenes gebet, in guten momenten aber auch tatsächlich identisch mit meinem eigenen gebet.

die brüder, mit denen ich gesprochen habe, wissen sehr gut, dass es ihr eigener glaube, ihr eigenes vor Jesus kommen ist, das diesen formen inhalt verleiht. ein gedanke, der uns eher fremd ist, die wir es gewohnt sind, formelle festlegung mit erstarrung und unauthentizität zu verbinden. und aber dennoch von dem sinnlichen erlebnis angezogen werden. wie kann es uns gelingen, diese faszination mit dem wunsch nach authentischem glauben zu verbinden? ich jedenfalls hege diesen wunsch.

ich glaube, ein schlüssel dafür ist unsere position zu den vorgebenen formen, eine standpunktfrage, die sich eigentlich bei jeder beschäftigung mit (geistlichen) traditionen stellt. sind wir darunter eingeschlossen wie unter einer käseglocke? da setzt sie uns letztendlich grenzen und den horizont, in dem wir uns bewegen können. oder ist sie uns ein gegenüber, mit dem wir in kommunikation treten? dann stellt sie unsere antworten in frage und lenkt unseren blick auf neues, ist aber auch offen für unsere fragen, sei es um antworten zu geben oder sich diesen gerade zu verweigern. dann wählen wir die perspektive und entlocken ihr vielleicht grade neue antworten, die uns so noch nicht gegeben wurden.

dann können wir sie dekonstruieren, zerlegen und einzelne fragmente auf ungewohnte art auf unseren glauben beziehen. dann gewinnt sie gerade durch diese akt der kommunikation und der betrachtung, zumindest potentiell, ungeahnte bedeutung für uns. wenn die liturgie, was ich glaube, zum gespräch des inkarnierten mit den menschen gehört, dann kann sie als gegenüber auch zu unserem gespräch mit Jesus gehören. und nur dann kann sie vom vollzug des vorgegebenen zu einem vollzug unseres glaubens im gegebenen werden.

Written by Henni

27. März 2008 at 20:59

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annuntio vobis gaudium magnum

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Habemus Chartam!

Written by Henni

17. März 2008 at 09:27

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jack und rose

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Jack, so rief sie ihn, Jack! „Nenn mich nicht so“, sagte er, „bitte nenn mich nicht so.“ „Wie soll ich dich denn sonst rufen“, fragte sie verwundert zurück.

„Wie oft… wie oft hast du den Namen schon bei anderen genannt?“ „Schon tausende Male, aber wie denn auch sonst?“ „Und wenn das so war, wen hast du dort so genannt… Rose? Wen hast du so genannt? Den Jack, an den ich denke, den Jack, an den du denkst oder einen Anderen Jack, den wir beide noch gar nicht kennen gelernt haben?“ „…“

„Und wem dachten die anderen, dass dieser Name gehört? Einem von ihnen? Einem Jack, den du ihnen nun gleich vorstellen wirst? Oder dass er einem Anderen gehört? Sag mir, wen nennst du bei diesem Namen, wenn du so rufst?“

„Wie soll ich dich denn sonst rufen?“ „Wenn du mich rufen willst, dann nenn mich nicht bei Namen!“

Written by Henni

28. Februar 2008 at 18:59

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preach it, judas!

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Judas, der alte verräter. er war es, der jesus verriet, der ihn auslieferte an die obrigkeit, er leitete die dramatischen ereignisse von karfreitag, aber auch von ostern ein. gegen blutgeld führte er die schergen zu Jesus, damit sie ihn gefangen nehmen und hinrichten konnten.

ja, Judas hat Jesus verraten. er tat das in jedem sinne des wortes: er verriet ihn, seine beziehung und seine freundschaft zu ihm. er lieferte ihn einer grausamen behandlung und dem tod aus. er verriet Jesu vertrauen in ihn und seine liebe zum ihm.

aber er verriet auch der welt da draußen, wer Jesus ist: er brachte sein geheimnis an die öffentlichkeit, er offenbarte das wesen Jesu als messias den mitmenschen. er verriet ihnen, wer der sohn gottes ist. wo Petrus alles verleugnete, stand Judas, zu dem Jesus, mit dem er drei jahre verbracht hatte. und er machte öffentlich, wer dieser Jesus ist. die vorzeichen, unter denen das geschah, ändern daran erstmal nichts.

und machen wir etwas anderes, wenn wir predigen? auch wir verraten Jesus. wir verraten seine botschaft denen, die uns zuhören. wir verraten sein geheimnis und den schatz, den es bei ihm zu finden gibt. aber wir verraten ihn auch im zweiten sinne; wir liefern ihn aus. nicht nur das, wir fesseln ihn mit unseren eigenen worten, in unsere eigene sprache und liefern ihn so der menge aus. sie kann ihn von uns ergreifen und durch ihre gedanken jagen, ihn mit ihren zweifeln foltern und mit ihren ängsten töten.

das eine ist nicht ohne das andere zu haben, nicht solange wir mit menschlicher sprache zu menschlichen ohren predigen. und doch können wir es nicht lassen, von ihm zu reden und ihn zu verraten. er begibt sich dort hinein, wie gott sich schon von anbeginn in die menschliche sprache begeben hat. er stellt sich dem verrat. und so konnte auch Jesus, als Judas sich auf den weg machte, sagen:

Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. Joh 13,31b

Written by Henni

26. Februar 2008 at 23:04

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