freedom to god's people

bäh bäh bäh

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wer in google die suchbegriffe „hirte herde“ eingibt, bekommt wahrscheinlich mehr christlich angehauchte seiten zu sehen als bei einer suche nach „jesus“. das bild vom guten hirten gehört zu den klassischen standards der christlichen ikonographie, es hängt in kitschigen pastellfarben in so manchem gottesdienst raum, ob alt oder retro. ja, eine ganze institution kirche beruft sich in ihren strukturen auf dieses bild. und schließlich kennt, wer keinen psalm je gelesen hat oft doch zumindest den dreiundzwanzigsten, den locus classicus christlicher hirtenmetaphorik.

doch, lese ich mir einige zufällige seiten aus dem google-suchergebnis durch, befällt mich ein leichtes unwohlsein, und das kommt mir aus langer christlicher sozialisation bekannt vor. text über text beschäftigt sich mit dem hirten, der festen schrittes voran geht und den leicht dämlichen schafen, die ihm hinterhertrotten, ohne viel mehr vom weg zu sehen als den quadratmeter unter ihren füßen. das erinnert mich an mehr als eine predigt, die irgendwann zu den worten anhob „schafe sind ja von natur aus dumm“.

zum einen ist es wohl ein leichtes persönliches gefühl von beleidigtsein, das das unwohlsein hervorruft. als tendenziell minderbemitteltes schaf mit sehr eingeschränktem blickfeld möchte ich mich, und wohl kaum jemand sonst, selbst lieber nicht sehen. aber es steht auch quer zu ganz anderen bildern, die christen von sich pflegen. wir malen uns doch auch, und längst nicht nur in emergenten kreisen, als hände und füße gottes, die mutig vorangehen und gottes botschaft und reich in die welt tragen, mit weitsicht und oft auch risikobereitschaft. wie soll das zusammenpassen?

gut, nun gibt es in der biblischen literatur eine unzahl von bildern, die das verhältnis von gott und seinen menschen beschreiben. wir könnten also das mit dem hirten einfach ein wenig mit missachtung strafen und uns auf andere bilder verlegen, die unserer sicht auf auf uns, unseren auftrag und unser vorgehen eher entsprechen. könnten wir. nur stellt sich dagegen eine breite verarbeitung des bildes in allen schichten der bibel, quer durch beide testamente und über alle autoren hinweg. das schreit nach einer auseinandersetzung damit.

was, wenn die metapher gar nicht so schräg zu anderen läuft? was wenn das bild dummerweise in den letzten tausend jahren umgeformt wurde, zu dem was wir heute kennen, aber weg von dem was die ältesten leser vor augen hatten, wenn sie diese texte lasen?

und zumindest eines ist mir dann doch sehr sympatisch: Jesus als der gute hirte. als einer, der ohne zuhause über die felder zieht, staubig und leicht angeranzt und anrüchig, am rande der gesellschaft, auf den man vielleicht auch leicht herabsieht. passt das nicht hervorragend zu dem sohn gottes, der mensch wurde, sich schwach machte, bespuckt und verachtet wurde und schließlich als verurteilter schwerverbrecher einen würdelosen tod sterben musste. mich faszinierte schon immer die demut, die diese gestalt, von der wir alles abhängig machen, uns christen abnötigt. der hirte in der antike ist genau so eine gestalt.

für heute belasse ich es bei dieser problemanzeige und dem ausblick und werde in den nächsten tagen versuchen, einen genaueren blick auf das bild des hirten und seiner herde zu werfen. ich denke, es wird sich lohnen.

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Written by Henni

11. August 2009 um 21:41

Veröffentlicht in theologie

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2 Antworten

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  1. Na, dann bin ich ja vorerst froh, dass das noch mal gut ausgegangen ist mit meiner Identität als Schaf… bääää. Schaun wir mal, wie die Sache ausgeht… Liebe Grüße

    B.Bergdolt

    12. August 2009 at 00:33

  2. lieber hendrik,

    das ist ja auch das problem vieler alter religiöser texte, dass sie eben aus einem blickwinkel geschrieben sind, der uns heute natürlicherweise fehlt. die agrargesellschaft von damals mag es eben als naheliegend empfunden haben, den hirten zu preisen, wohingegen der industrialisierte mensch damit nix anzufangen weiss und selbst der industrialisierte bauer und hirte das bild kaum stimmig finden dürfte. denn für den hirten sind die tiere eben nutztiere, und keineswegs geliebt. sie spenden arbeit und geld und springen über die klinge wenn ihre zeit gekommen ist. das ist nun keineswegs mein bild eines gottes der liebe ist 😉

    das gleiche gilt für andere bilder, die uns abhanden gekommen sind. sicher findet der ein oder andere auch das wort „vater“ eher abschreckend, angesichts familiärer zerrüttung.

    deswegen plädiere ich immer dafür religiöse texte eben so zu lesen wie man literatur einer anderen epoche liest: mit dem blick der den wahren kern vom zeitgeist zu trennen weiss.

    ganz herzliche grüsse
    giannina

    klanggebet

    1. Dezember 2009 at 22:21


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